Island 2015 · Teil 2

8. Tag: Húsavík Ásbyrgi

Am nächsten Morgen gehen wir um 8.00 Uhr zum Frühstück in den Aufenthaltsraum. Der andere Gast Frühstückt schon als wir kommen. Die zwei Gastgeberinnen haben reichhaltig gedeckt. Von Brötchen über Brot Joghurt, Skyr, Marmelade, Müsli, angerichtetem Käse und Obst ist alles liebevoll bereitgestellt. Während des Frühstücks kommen wir mit dem Deutschen ins Gespräch. Wir erfahren dass er aus München stammt und seine Urlaube seit vielen Jahren am liebsten in Nordeuropa verbringt.

Nach dem Frühstück duschen wir, wobei die Dusche über Trick 17 verfügt, da man den Hebel bis zum Anschlag auf blau stellen muss um warmes Wasser zu bekommen. Der Münchener fährt bereits mit seinem roten Corsa vom Hof, als wir für die Übernachtung bezahlen. Wir verstauen unsere Sachen wieder im Fronti und verabschieden uns noch kurz von Skatur, dem Hofhund, der wie immer in der geöffneten Haustüre liegt. Dann machen wir uns auf den Weg nach Húsavík  Dort angekommen parken wir vor einem Vinbudin, indem wir nach dem Bier mit dem Reiter auf dem Label suchen, können es aber nicht finden. Wahrscheinlich besser so… Danach gehen wir noch in der angrenzenden Bank etwas Geld abheben. Wir parken in einer kleinen Wohngegend hinter dem Hafen. Am Kartenbüro kaufen wir uns ein Ticket für die Whalewhatching-tour, die am Nachmittag startet. Da wir noch viel Zeit bis zur Tour haben, schlage ich vor, noch einmal das Walmuseum zu besuchen. Als wir aus dem Museum kommen bemerkt Jens den Grund warum sein Auge so gereizt ist. Seine Kontaktlinse hat ein stecknadelkopfgroßes Loch. Wir gehen kurz zurück zum Fronti, damit er sie wechseln kann. Bevor das älteste Holzschiff Islands mit uns aus dem Hafen von Húsavík ausläuft, dürfen sich alle einen orange leuchtenden Ganzkörperanzug anziehen, der vor Wind und Kälte schützen soll. Wir verzichten, wie bereits zwei Jahre zuvor. Als wir auf den Nordatlantik auslaufen, weht ein wirklich eisiger Wind, aber der Himmel klärt auf und zum ersten mal in diesem Urlaub zeigt sich die Sonne. Wir haben das atemberaubende Glück einen Buckelwal beobachten zu können, der extrem nah längsseits des Schiffes kommt. Da die Teilnehmerzahl der Tour sehr gering ist, haben alle eine gute Sicht von der Reling hinab. Gegen Ende der Tour haben wir dann auch noch das Glück, zumindest kurz, den Blick auf einen Zwergwal erhaschen zu können.

Auf der Rücktour in den Hafen von Húsavík verteilt die Crew ein Gebäck und heiße Schokolade zum Aufwärmen. Ein Mitglied der Crew gesellt sich kurz zu uns sodass wir in Gespräch kommen. Sein Gesicht kommt mir sehr bekannt vor. Während es Gespräches verrät er, dass er aus Deutschland, genauer aus Sindelfingen kommt. Und einen Bruder hat, der ebenfalls in Sindelfingen lebt, vielleicht kommt er mir daher so bekannt vor.

Nach dem walreichen Erlebnis lassen wir die Tour überglücklich im Hafencafé ausklingen. Das Café, dessen Tresen aus zwei alten Schiffsrümpfen gebaut ist, versprüht einen rustikalen und gemütlichen Charme und bietet einen tollen Blick auf das Hafengelände. Wir trinken noch eine heiße Schokolade, verzehren ein süßes Stückchen und beobachten dabei das geschäftige Treiben im Hafen. Im Anschluss spazieren wir zurück zum Fronti und fahren in östlicher Richtung nach Ásbyrgi, einer hufeisenförmigen Schlucht im Jökulsárgljúfur-Nationalpark. Der Campingplatz, den wir aufsuchen wollen, liegt inmitten der hufeisenförmigen Schlucht, die einer Legende nach durch einen Hufabdruck von Sleipnir, dem Pferd Odins, entstand.

Wir bauen das Zelt auf und wechseln etwas Geld für die Duschen. Dann wandern wir vor dem Essen noch kurz in das Tal hinein.

Nach einer Weile kehren wir um und und kochen auf einer kleinen Picknickbank, die sich weit vom Fronti entfernt in der Schlucht befindet. Es gibt isländische Käsemaccaroni aus einer knallgelben Papkartonverpackung. Die Anleitung der Zubereitung ist natürlich auf isländisch. 😉

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Auch auf Segelbooten kann man zum Whale-watching auslaufen.
Buckelwal
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Die Flosse eines Buckelwals, den wir, da er so nah ans Boot kommt, fast anfassen können.
Buckelwal
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Der neugierige Buckelwal.
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Die Hufeisenförmige Schlucht von Ásbyrgi endet vor einer 100m hohen Felswand.

9. Tag: Ásbyrgi – Kverkfjöll und Hveradalir

Nach einer super kalten und sehr windigen Nacht ist alles feucht, klamm und wir sind müde.  

Wir Frühstücken schnell und während Jens das Zelt abbaut gehe ich bereits duschen, um mich aufzuwärmen. Auf dem Schild der Duschkabine steht, man solle für 5 Minuten 500 ISK hineinwerfen und den Regler betätigen, wenn das Wasser kalt werden soll… Das Wasser ist aber so höllisch heiß, dass ich kaum an den Regler komme um es kalt zu stellen… Als ich zum Fronti zurück gehe, ist alles verstaut und Jens geht duschen. 

Dettifoss Wasserfall
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Der Dettifoss gehört mit seinen 44m Höhe und seinen gewaltigen Wassermassen mit dem Reihnfall zu den größten Wasserfällen Europas.

Danach machen wir uns auf in südlicher Richtung zum Dettifoss (65°48′52.8″N), dem größten Wasserfall im Nordosten Islands. Dieses Mal erreichen wir ihn allerdings von der östlichen Seite des Ufers des Flusses Jökulsá á Fjöllum, über die Hólsfjallavegur (864). Von hier aus gelangen wir sehr nah an den Wasserfall heran.Der Fluss Jökulsá á Fjöllum, der sich vom Atlantischen Ozean ausgehend bis zum nördlichen Teil des Gletschers Vatnajökull verläuft, beherbergt drei Wasserfälle. Wobei der mittlere Dettifoss, neben dem Hafragilsfoss und dem kleineren Sellfoss, mit einer Höhe von ca. 45 Metern der größte ist. Der Anblick des Wasserfalls ist wunderschön, als die Sonne langsam durch die Wolken bricht.

Wir setzen unsere Fahrt in  Richtung Osten fort und fahren auf die F905, um von dort auf die berüchtigte F910 zu gelangen. Bei der ersten Furt vergisst Jens aber zu kontrollieren, ob der Allrad auch richtig eingelegt  ist, wir rollen langsam die Böschung hinunter und bleiben mitten im Wasser stehen. Beim Gas geben steigt zwar die Drehzahl, der Wagen bewegt sich jedoch nicht vorwärts. Erst nach ein paar klaren Gedanken ist erkannt, dass der Gang nicht richtig eingelegt ist. Danach klappt das Vorankommen auch problemlos.

Die zweite Furt durchqueren wir ohne Mühe. Wir fahren bis zum Krater der Askja (65° 1′ 48″ N, 16° 45′ 0″ W), einem nördlich des Vatnajökull gelegenen Vulkans. Der Vulkan erhebt sich ca. 800 m über die umlegenden Hochebenen und besteht aus mehreren Kratern, die unter anderem den See Öskjuvatn und den kleineren See Víti beherbergen. Eigentlich möchten wir die Seen besichtigen, aber da es schon spät und der Wanderweg recht weit ist, begutachten wir vorerst den Campingplatz. Der Platz ist gut besucht, bietet keinerlei Windschutz und es stürmt sehr stark. Aus Mitleid zu unserem Dachzelt entschließen uns zu dem etwa 40km südlich gelegeneren Vulkansystem, dem Kverkfjöll mit seinem angrenzenden und noch aktiven Geothermalgebiet Hveradalir, zu fahren.

Die "kurze" Fahrt über die F910 dauert fast 4 Stunden! Und so ist es sehr spät bis wir an der, am Fuße des Kverkfjöll auf knapp 900m liegenden Hütte Sigurðarskáli, ankommen. Der Hüttenwart gibt uns den Tipp, dass es hinter der Hütte eine kleine mit Moos bedeckte Fläche gibt, die etwas windgeschützt liegt. Leider können wir mit dem Fronti nicht dorthin gelangen und so bauen wir in der eisigen Luft unser kleines Notzelt auf der Fläche auf. Wir essen schnell im Auto und genehmigen uns einen/zwei "Einschlafwhisky". Wir schlafen mit einem atemberaubenden Blick auf den Gletscher und einem Schneefeld im Rücken. Die Lage ist beeindruckend, leider ist es aber schweinekalt. Es wird eine anstrengende Nacht, die schon mit einem handfesten Disput über die Revierverhältnisse im Zelt beginnt: das kleine Notfallzelt ist einfach zu eng um sich darin zu zweit, gleichzeitig aus-, und dann Thermosachen anzuziehen... Kaum haben wir in die Nachtruhe gefunden, ist diese auch schon wieder vorbei, da spanische Hüttengäste früh morgens zu einer Gletscherwanderung aufbrechen und deren Weg direkt an unserem Zelt vorbei führt.

Gegenüber unseres Zeltes schlafen drei Engländer, ohne Zelt. Die müssen eine Macke haben...

Hafragilsfoss
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Der 27m hohe Hafragilsfoss.
Ódáðahraun F905
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Unsere erste Hochlandpiste: die F905 führt durch eine einsame graue Wüste Ódáðahraun.
Herðubreiðarlindir
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Wir können mehrfach einen tollen Blick auf den Herðubreiðarlindir (Breitschultirge) erhaschen.
Herðubreiðarlindir Ódáðahraun
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Der Herðubreiðarlindir wird auch "Königin der Berge Islands" genannt. Der 1682m hohe Vulkan überragt die ihn umgebende Wüste um 1000m.

10. Tag: Bárðarbunga – Egilsstaðir

Nach einer kurzen Nacht, wachen wir mit gefühltem Gefrierbrand auf und machen uns ohne Frühstück, sondern lediglich mit einem Kaffee im Fronti auf den Weg zu den Eishöhlen. Kaum bei den Eishöhlen angekommen ist die Gruppe Spanier bereits da. Hier treffen wir auch auf ein Pärchen, dass mit einem Ford Ranger mit Bimobil-Kabine im Kriechtempo (wohl wegen des Gewichts der Kabine) die Piste zu den Eishöhlen gemeistert hat. Da man den Fluß vor der Höhle nicht überqueren soll und wir auch keine nassen und gefrorenen Füße riskieren wollen, machen wir lediglich ein paar Fotos und fahren dann weiter. Aufgrund des sehr dichten Nebels beschließen wir, nicht die eigentliche Wanderung zur Askja zu unternehmen, sondern fahren gleich weiter zum heißen Lavafeld des Bárðarbunga, dem Holuhraun-Gebiet, das im Jahr 2014 als Schauplatz des letzten Ausbruchs bekannt wurde. 

Eine nette Rangerin warnt uns, dass die Furten an diesem Tag extrem tief sind. Deshalb werden wir nach dem Besuch des Lavafeldes, den gleichen Weg wie am Tag zuvor, über die F905 und nicht wie geplant über die F88 nehmen. Um zum Lavafeld zu gelangen müssen wir einige 100m durch eine tiefe Passage aus schwarzem Lavasand fahren. Die unglaubliche Stille auf dem Lavafeld und die von der Hitze flimmernde Luft sind beeindruckend. 

Danach machen wir uns auf den Rückweg zur A1 aus dem Hochland hinaus, dabei beginnt es zu regnen. Wir werden wir von einem französischen Touristenpärchen in einem gemieteten Geländewagen verfolgt, dass akribisch genau beobachtet, wie wir die Furten durchqueren, denn diese sind deutlich tiefer als gestern. 

Nachdem wir das Hochland verlassen haben, fahren wir Richtung Egilsstaðir (65° 16′ N, 14° 24′ W). Egilsstaðir ist am Fluss Lagarfljót gelegen und bildet die größte Stadt im Osten Islands. Kurz vor dem Ortseingang halten wir an einem Motel, da wir uns nach dieser extrem kalten Nacht am Gletscher aufwärmen wollen. Abgesehen davon stürmt es wieder sehr. Nachdem wir das kleine Zimmer bezogen haben, fahren wir zum 38km entfernten Subway in Egilsstaðir. Wir bemerken, dass wir bereits bei unserem letzten Islandurlaub hier gegessen haben. 

Als wir wieder das Motel erreichen gehen wir gleich ins Zimmer, wir schauen uns noch gemeinsam die Fotos und das Video der kleinen Kamera an und legen uns dann schlafen. 

Die zwei Betten sind recht klein, aber wir teilen uns dennoch eines. Mitten in der Nacht werde ich – laut Jens verdienterweise – geboxt und getreten! Der empörte Kommentar von Jens:"Mitten in der Nacht werde ich geboxt und getreten." Kurzerhand muss er aus dem kleinen Minibett ausziehen und in sein eigenes Bettchen umziehen. Es folgt ein noch empörterer Kommentar von Jens: „…geboxt und getreten und dann noch aus dem Bett getrieben!“.

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Blick von unserem Schlafplatz auf Europas größten Gletscher, den Vatnajökull.
Bárðarbunga
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Blick auf die Bergkette des Kverkfjöll, rechts im Bild ist noch die dampfende Lava des Bárðarbunga zu sehen.
Eishöhle Kverkfjöll
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Die Eishölen am Kverkfjöll.

11. Tag: Bárðarbunga – Egilsstaðir

Am nächsten Morgen wachen wir auf und die Sonne strahlt bei 30°C auf uns herab, wir schwitzen sehr… Nee, Scherz. 😜 Der Guide der Whalewhatchingtour in Húsavík hatte uns auch bereits erzählt, dass dies der kälteste Sommer seit 15 Jahren sei.

Wir gehen zum Frühstück in den Speisesaal, hier Frühstücken bereits mehrere andere Touristen. Der große Saal ist mit vielen Bildern von Rentierherden dekoriert. An den Wänden über uns hängen zwei ausgestopfte Rentierköpfe. Zum Glück entdecke ich diese erst nach dem Frühstück. Im Anschluss an das Frühstück verstauen wir unsere Sachen wieder im Fronti. Danach machen wir uns auf zum Bonus in Egilsstaðir. Vor dem Laden angekommen fällt uns auf, dass heute Sonntag ist, der Laden öffnet allerdings auch Sonntags, welch übler Verstoß am religiösen Feiertag. Jens meint, die Isländer dürfen auch am Sonntag arbeiten, sie hätten eine Mischreligion mit heidnischen Einflüssen. Da dies aber nicht für uns gilt kommen wir wohl leider wegen einer einzigen Packung Scheibenkäse nicht mehr in den Himmel… 😝 Wir fahren dann eine kurze Weile in die falsche Richtung, bevor wir umkehren und den richtigen Weg auf die 92 finden. Wir halten an einem kleinen Discounter, da wir dringend einen Stift für unsere Notizen benötigen, bisher aber keinen finden konnten. Auf dem Weg nach Reyðarfjörður  (65° 2′ N, 14° 13′ W) will ich während der Fahrt ein Foto aus dem Fenster machen. Dabei bemerke ich ein seltsam klapperndes Geräusch. Nur wenige Meter später finden wir auf einem Aussichtsplatz den Grund dafür heraus. Die Abdeckklappe der Freilaufnarbe hat sich gelöst. Im Regen und bei eiskaltem Wind montiert Jens den Reifen ab, um die Kappe nachzuziehen (Anmerkung von Jens: "Alles in Rekordzeit".)

Ich muss durch die Kälte dringend auf eine Toilette, kann aber keinen geeigneten Platz finden, da der Parkplatz direkt von einem Abhang umschlossen wird. Als wir unsere Fahrt fortsetzen können fahren wir in Reyðarfjörður eine Tankstelle an. So schnell ich kann verdrücke ich mich um zwei Kaffee wegzubringen, während Jens zwei neue Kaffe zum Aufwärmen für uns bestellt.  

Als wir aus  Reyðarfjörður herausfahren kommen wir nochmals an dem Campingplatz vorbei, an dem wir zwei Jahre zuvor den kleinen Egon, das Babyentlein getroffen haben. Ich hoffe das aus ihm ein stattlicher Erpel geworden ist. Wir fahren die Ostfjorde entlang, machen dabei einige Fotostopps und halten für ein kurzes Picknick an einer Aussichtsparkbucht. 

In Djúpivogur (64° 39′ N, 14° 17′ W) angekommen fahren wir auf einen kleinen, am Hafen gelegenen Campingplatz. Nachdem wir das Zelt aufgebaut haben, schlendern wir kurz hinunter zum Hafen, der durch einige vereinzelte Sonnenstrahlen wunderschön beleuchtet wird und herrlich verträumt daliegt. Wir wandern auf eine Anhöhe hinter dem Campingplatz und geniessen die atemberaubende Aussicht. Danach kochen wir unser Abendessen in unserem gemütlichen Zelt. Bei Bratkartoffeln mit roten Bohnen lassen wir den Abend ausklingen.

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Auch in den Ostfjörde wirkten die Berge gewaltig.
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Djúpavík Camping
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Unser Campingplatz oberhalb des hübschen Hafenstädtchens Djúpavík.

Falls Ihr den ersten Teil unsres Island-Abentuers nochmals lesen möchtet, könnt Ihr das gerne hier tun.

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