Island 2015 · Teil 1

Island 2015 🇮🇸

Hier findet Ihr die gesamte Route in einem Google-Maps-Ausschnitt.

0. Tag: Böblingen, Deutschland – Cuxhaven, Deutschland

Wir haben die Vorbereitungen für unsere zweite Islandreise fast abgeschlossen, lediglich unser Fronti muss noch zur Verschiffung nach Island abgegeben werden. Wir haben ihn bereits komplett ausgerüstet und das nötige Gepäck diebstahlsicher in ihm verstaut. So können wir ihm drei Wochen später auf die Insel folgen, um ihn dort im Hafen von Reykjavík wieder in Empfang nehmen und unsere Reise starten zu können.

Unser Abenteuer beginnt daher also eigentlich nicht direkt in Island, sondern bereits vorher in Cuxhaven.

Da wir den Fronti bereits vormittags zur Verschiffung an einem Containerterminal in Cuxhaven abgeben wollen, starten wir unsere Fahrt in den Norden in der Nacht um 1:30 Uhr. Noch etwas schlaftrunken verfahren wir uns beschämenderweise natürlich noch direkt vor der eigenen Haustür, auf einem uns unbekannten Feldweg. Der Grund dafür ist sicher, dass unsere noch schlafenden Gehirnzellen der Bedienung des Navis um dieser Uhrzeit noch nicht gewachsen sind. Vielleicht kann der Fronti die Fahrt ins Gelände auch einfach nicht erwarten. 😇 Trotz zahlreicher Umwege durch Wald, Wiesen und Straßen oder Wege, die eigentlich gar nicht vorhanden sind, erreichen wir dennoch pünktlich Cuxhaven. Das Einchecken und die endgültige Abgabe unseres treuen Reisegefährts dauert nur gut eine Viertelstunde. Gerne möchten wir beobachten, wie der Fronti in den Container verladen wird. Zu unserer Enttäuschung können wir leider nicht zusehen und müssen auf direktem Weg das Hafengelände verlassen. Wohl oder übel vertrauen wir darauf, dass der Fronti von den Hafenarbeitern gut behandelt wird. Kurze Zeit später werden wir in Cuxhaven abgeholt und wollen die Elbfähre von Wischhafen nach Glückstadt nehmen, um dort die Familie zu besuchen. Nach einer mehr als mehrstündigen, sowohl nerven- als auch blasenstrapazierenden Wartezeit am Fähranleger können wir mit der Fähre die wunderschöne Elbe passieren. Endlich erreichen wir Glückstadt und werden dort von der Familie empfangen. Bei einem gemeinsamen Pizzaessen mit den Großeltern lassen wir den anstrengenden Tag langsam ausklingen. Wir sind zwar furchtbar müde aber auch voller Vorfreude, denn in drei Wochen soll unser eigentliches Abenteuer auf der Insel starten.

Tag 1: Böblingen, Deutschland – Keflavík, Island

„Jens, deine Eltern sind da!“, rufe ich als ich den Wagen der Schwiegereltern vorfahren sehe. Sie haben sich netterweise bereit erklärt uns mit dem restlichen Gepäck zum Flughafen zu fahren. Bepackt mit zwei Rucksäcken, einer Kameratasche, einem Stativ und Wanderstöcken wackeln wir zur Tür. „Haben wir auch nichts vergessen?“, frage ich, als ich mich durch die Haustür schiebe. Doch die Frage wird von Jens, der bereits eilig die Tür zuziehen will, nur mit einem gestressten Grunzer verneint. „Ganz sicher?“, frage ich unsicher, als ich versuche noch einen Blick durch den Türspalt in die Wohnung zu werfen. „Kamera? Pässe? Flugtickets? Ganz sicher?“ ,frage ich nochmals. „ Sicher“, Jens zieht mich bereits eilig hinter sich her. „Sicher. Jetzt mach, wir sind spät dran...“  

Später am Ticketschalter des Flughafens beginnt Jens hektisch in seinen Taschen zu wühlen.  Plötzlich ruft er wie besessen: „Schei***!!! Die Schlüssel! Ich habe die Autoschlüssel vergessen!."

In diesem Moment sehe ich mich schon mit Jens durch einen isländischen Baumarkt hetzen: Auf der Suche nach einem Brecheisen, mit dem wir sämtliche Schlösser des Fronti-Einbaus knacken müssen, um an unsere Sachen zu gelangen. 

Schnell wird abgestimmt: Jens Bruder soll zu unserer Wohnung fahren, den Schlüssel dort abholen und ihn zum Flughafen bringen. Allerdings muss er zuvor noch unseren Ersatz-Wohnungsschlüssel in der Wohnung von Jens Eltern abholen. Leider kann Jens – der natürlich nie etwas vergisst –  sich auch nicht genau daran erinnern, wo er den Schlüsselbund für den Fronti zuletzt gesehen hat… Es beginnt also ein Wettlauf gegen die Zeit. Wenn auch unter Nichtbeachtung sämtlicher Verkehrsregeln, schafft es Jens Bruder dennoch den Schlüssel zu holen und ihn in letzter Sekunde zum Flughafen zu bringen. 

Der Flug dauert ca. drei Stunden und 45 min und zu meiner Freude wird auf der halben Strecke ein Käsebrot serviert. In Keflavík International Airport gelandet, schieben sich die Reisenden durch eine kleine dunkel wirkende Halle zur Gepäckausgabe. Es scheint Stunden zu dauern bis uns unser aufgegebener Rucksack langsam auf dem Rollband entgegen getrödelt kommt. Wir nutzen die Wartezeit und gehen in dem überfüllten Duty Free etwas für die erste Nacht einkaufen. Vorsorglich haben wir für die erste Übernachtung ein Zimmer in einem in der Nähe des Airports gelegenen Bed and Breakfast gebucht.  Dieses bietet einen Shuttleservice, der uns vom Airport abholen soll. Verzweifelt suchen wir also den Treffpunkt, an dem uns der Shuttlebus des Bed & Breakfasts abholen soll. Bis uns ganz langsam dämmert, dass der Treffpunkt des Shuttlebusses logischerweise in der Abflugebene des Airports liegt, verbringen wir noch eine wunderschöne Zeit damit, unnötigerweise im Ankunftsbereich auf den Bus zu warten. Im BnB angekommen legen wir uns gleich schlafen. 

Tag 2: Böblingen, Deutschland – Keflavík, Island

Am Morgen frühstücken wir ausgiebig in einem kleinen Frühstücksraum und werden anschließend mit dem Shuttlebus wieder zum Flughafen gebracht. Von dort aus steigen wir in den Flybus Richtung Reykjavík. Aufgrund der extrem heißen klimatischen Bedingungen von knapp 16°C und des vereinzelt durch die Wolkendecke durchbrechenden Sonnenscheins, können wir die ganze Fahrt über eine voll aufgedrehte Klimaanlage genießen.😜

Hinter uns sitzt ein Japaner, der die komplette Fahrt über ohne Unterbrechung redet. Sympathischerweise klingt er dabei wie Kermet der Frosch... In Reykjavík steigen wir in ein Taxi um und versuchen dem Fahrer zu erklären, dass er uns doch bitte zum Hafen, also genauer zum Büro unserer Reederei, bringen soll. Der Fahrer meint es sehr gut mit uns und fährt gleich mal einige Kilometer zu weit. Diese Kilometer müssen wir uns – zusammen – mit den weiteren 500 m, die wir in die falsche Richtung gewackelt sind, wieder zurück zum Häuschen der Reederei schleppen. In diesem Moment verfluchen wir unser Gepäck. 

Auf dem Gelände der Reederei angekommen, steht der Fronti bereits vollkommen unversehrt in der ersten Reihe hinter einem rustikalen Einzimmer-Bürogebäude. Der Verschiffungsagent übergibt uns die Schlüssel und nach einer kurzen Überprüfung des Frontis starten wir nun endgültig unser Abenteuer.

Nachdem wir das Reedereigelände verlassen haben, halten wir zuerst an einem nahegelegenen Bonus um frische Lebensmittel zu kaufen und an einem Bankomat etwas Geld abzuheben. Von Reykjavík aus wollen wir uns auf den Weg in die Westfjorde machen. Wir fahren die Küste entlang und folgen der Vesturlandsvegur über Mosfellsbær und erreichen dann den Hvalfjarðargöng, einen einspurigen und damals noch mautpflichtigen Straßentunnel, der den Hvalfjörður Richtung Akranes passiert. An der Mautstelle des Tunnels ordnen wir uns, aufgrund mangelnder Kenntnisse was das isländische Beschilderungssystem betrifft, natürlich direkt falsch ein und blockieren auf der Suche nach unserer Tunneldauerkarte den gesamten nachfolgenden Verkehr. Irgendwann winkt man uns verzweifelt durch. Als Jens an einem Parkplatz die Schnellstraße verlässt um zu Fuß zurückzulaufen, stellt er fest, dass unser Nummernschild bereits notiert wurde und eine Weiterfahrt wohl einen Strafzettel im heimatlichen Briefkasten zur Folge gehabt hätte. Als er die Maut bezahlt, werden wir von der Liste gestrichen. Das Glück ist wohl auch mit den ehrlichen Dummen... Wir fahren weiter nördlich in die Westfjorde. Abends beschließen wir auf den Campingplatz in Reykhólar (65°27′N 22°12′W ) zu fahren, wo Jens vor zwei Jahren noch mit einem süßen Hund Fußball gespielt hat. Enttäuscht müssen wir feststellen, dass es diesen Campingplatz wohl nicht mehr gibt. Auch das angeschlossene Bed & Breakfast erweckt einen verweisen Eindruck.

Wir fahren zurück und suchen nach einem Campingplatz, natürlich können wir erst keinen finden. Durch Zufall finden wir später einen Platz, der einem Hotel angeschlossen ist. Doch bereits der Zeltaufbau gestaltet sich schwierig, es stürmt sehr stark und Windschutz gibt es, an der Bergflanke, an der sich der Platz befindet, keinen. Wir fragen beim Campingwart, wie sich der Wind in der Nacht noch entwickeln soll. Zur Vorsicht bauen wir das kleine Notzelt neben dem Fronti auf. Schlafen wollen wir vorerst aber im Dachzelt. Wir haben eine sehr unruhige Nacht und es ist bei einer Windstärke von 12m/s auch bitter kalt.

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Das Wetter in den Westfjorden ist abwechslungsreich und fotogen.

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Unser Fronti, das erste mal auf Isländischem Schotter

Tag 3: Látrabjarg – Tálknafjörður – Bíldudalur

Am nächsten Morgen stürmt es noch mehr und selbst nach einer heißen Dusche werden wir nicht warm. Der Abbau des Zeltes gestaltet sich dementsprechend auch wieder äußerst schwierig. Aber das Zelt dürfte jetzt als sturmerprobt gelten.

Entlang der Fjorde machen wir uns in westlicher Richtung auf zu der Steilküste von Látrabjarg, welche über eine einsame Schotterpiste ausgehend von der 612 zu erreichen ist. Die knapp 14km lange Steilküste, bietet vielen Seevogelarten eine Heimat und ist daher weltweit bekannt für Ihren Vogelreichtum. Latrabjargs Kap Bjargtangar (65° 30′ 0″ N, 24° 32′ 0″ W) ist der westlichste Punkt der Insel und der zweitwestlichste Punkt  Europas. Dort angekommen klärt sich das Wetter langsam auf und die Sonne bricht durch die Wolken.☀️ Im warmen Sonnenschein genießen wir die wunderschöne Aussicht, während wir die Klippen entlang spazieren und Jens endlich seinen lang ersehnten Puffin in freier Wildbahn beobachten kann. Den Fjorden weiter folgend fahren wir nordwärts über Patreksfjördur bis nach Tálknafjörður (65°39′N 23°58′W). Wir beschließen auf den Campingplatz in Tálknafjörður  zu fahren und vielleicht wieder bei der Küchenchefin, die mich während des letzten Besuchs so nett vom Duschen abgehalten hat, einzukehren. Dieser Platz ist allerdings aufgrund eines Feiertages extrem überfüllt. In nordöstlicher Richtung fahren wir also weiter nach Bíldudalur. In  Bíldudalur angekommen fahren wir von der 619  und gelangen über die Hafnarbraut auf einen winzigen Campingplatz, der direkt an der Bucht Bíldudalsvogur gelegen ist und nur wenigen Gästen Platz bietet. Die mächtigen Berge direkt im Rücken machen uns etwas Sorgen, dass es mit dem Wind wieder so unangenehm werden könnte, wie in der Nacht zuvor. Es gesellt sich ein Isländer neben uns, der sein Hartschalen-Dachzelt ausfährt. Wir fragen ihn,ob er uns sagen kann aus welcher Richtung der Wind kommen soll und kommen so mit ihm und seiner Frau ins Gespräch. Dabei erfahren wir dass der Sohn der Beiden in Stuttgart bei Daimler Benz arbeitet. Zuhause ist selbst hier oben ganz schön nah… Nach einem ausgiebigen „Drei-Gänge-Fertigessen“ verkriechen wir uns in unser Zelt.

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In den Westfjorden gibt es die wenigen hellen Sandstrände Islands.

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Die Klippen von Látrabjarg, einer der größten Vogelfelsen Europas.

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Je weiter man die Küste entlanggeht, je höher werden die Klippen. An der höchsten Stelle ca. 440m

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Ein Papageientaucher, in isländisch "Puffin".

Tag 4: Þingeyri – Ísafjörður 

Am nächsten Morgen werden wir von dem wohligen Geräusch des leichten Nieselregens, der auf die Zeltplane fällt geweckt. Wir duschen im anliegenden Schwimmbad und gönnen uns einen kurzen Aufenthalt im Dampfbad. Anschließend bauen wir im leichten Regen das Zelt ab. Wir verlassen Bíldudalur in Richtung Osten und wollen den Dynjandifoss, den Wasserfall des Flusses Dynjandisá besichtigen und danach weiter in den Norden nach Ísafjörður fahren. Obwohl der Wasserfall etwas abgeschieden unweit der Straße 60 liegt, ist er viel stärker von Touristen besucht, als wir es von unserem letzten Besuch erwartet hatten. Daher kommt bei uns kaum Stimmung auf und so fahren wir recht zügig weiter. Wir machen uns auf die Suche nach der  622 namens Salvogarvegur, deren teilweise als F-Road gekennzeichnete Strecke am nördlichen Ufer des Arnarfjörðurs zu einem verlassenen Tal namens Lokinhamradalur führen soll. Das Tal  wird von hohen Bergen eingerahmt und beherbergt nur noch zwei alte verlassene Gutshöfe. Da diese Strecke allerdings gesperrt ist, erreichen wir die am Ufer des Dýrafjörðurs gelegene Siedlung Þingeyri (65° 53′ N, 23° 29′ W). Hier findet Jens eine steile Offroadpiste, die von Þingeyri aus auf den 370m hohen Berg Sandafell führt.

Da meine Nerven durch die langwierige Suche nach der F622 ohnehin schon strapaziert sind, halte ich mir die Augen zu. Durch lautstarkes Gejammer weise ich daraufhin, dass ich diese Piste als viel zu steil und auch viel zu eng empfinde, als dass wir da nun unbedingt mit dem Fronti hoch müssten. Mit einem Auge schiele ich auf den Jens und sehe, dass dieser sich nicht im Geringsten von meinem Gejammer gestört fühlt. Nein, sein Verstand hat sich bereits verabschiedet, er merkt nichts mehr...  Schlimmer noch – er suhlt sich geradezu in einer Welle von Glückshormonen. Hirn aus, Idiot an. Einfach unglaublich. Ich beschwere mich lauter. „Erde an den Gestörten neben mir? Die Piste ist so eng, was wirst du tun, wenn wir oben angekommen nicht wenden können? Vor meinem inneren Auge sehe ich, wie ich ihn rückwärts den steilen Hang herunter winken muss.😖 Das kann er sich aber gepflegt von der Backe putzen! “Verdammt nochmal, halt jetzt gefälligst an oder ich gehe zu Fuß“, blöcke ich ihn an. Erleichtert merke ich, dass er vom Gas geht und den Wagen anhält. Zwei Minuten später stehe ich recht deplatziert auf der Piste und sehe dem Fronti hinterher…

Später fahren wir nach Ísafjörður (66°04′N 23°07′W), um dort in der größten Stadt der Westfjorde in einem Supermarkt einzukaufen und gehen noch eine Pizza essen. In Tunguladur, einem großen, direkt vor Ísafjörður gelegenen Campingplatz übernachten wir vor der Kulisse des wunderschönen Wasserfalls Bunárfoss. 

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Blick vom Wasserfall Dynjandi zurück in den Fjord.

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Die Westforde vom 370m hohen Sandafell. Ein Berg kurz vor Þingeyri.

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Die Piste auf den 370m hohen Sandafell.

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Tag 5: Ísafjörður – Drangsnes – Djúpavík – Hólmavík

Am nächsten morgen werden langsam vom Rauschen der Gischt des Bunárfoss geweckt. Wir frühstücken gemütlich und gehen dann zu den sanitären Anlagen, die sich an der Rückseite des Aufenthaltsraums befinden. Die Duschkabinen sind jedoch alle belegt, sodass wir kurz warten müssen. Als wir gemeinsam eine der frei gewordenen, geräumigen Kabinen betreten gleicht diese einer heißen Tropfsteinhöhle. Es dampft und tropft von den Wänden, alle Ablagefächer sind nass. Während ich dusche dient Jens sozusagen als mein Kleiderständer, während Jens sich duscht, darf ich im Nebenraum den Komfort eines Föhnes genießen, mit dem ich meine Haare trockne.

Von der Dusche aufgewärmt bauen wir das Zelt ab. Es nieselt leicht, als wir uns auf den Weg machen. Wir fahren zurück in den Stadtkern von Ísafjörður, um in der Anastäti 20 in einem Vínbúð etwas Bier zu kaufen. Immer diese Laster... 😜

Anschließend verlassen wir Ísafjörður und begeben uns außerhalb der Stadt in einem Bonus auf die Suche nach einer Campinggasflasche für unseren Heizer. Leider können wir keine finden. Wir machen uns auf den Weg und halten ein paar mal um Fotos zu machen. Das Wetter wird zunehmend schlechter. Wir nehmen die 61 in südwestliche Richtung nach Drangsnes (65°41′N 21°27′W). Die Strecke führt uns durch eine nebelverhangene Gerölllanschaft, die von Wolken verhangen und in einen kalten Grauton gefärbt ist. Die Sicht verschlechtert sich extrem. In Drangsnes angekommen entschließen wir uns in den Norden Richtung Djúpavík (65°57′N 21°34′W) zu fahren. Djúpavík stammt aus der der Zeit, als der Heringsfang die meisten Arbeitsplätze in Island sicherte und besaß eine eigene Fischfabrik. Heute liegt die Fischfabrik verwittert am Ortseingang, der nur über steile Serpentinen entlang der Klippen zu erreichen ist. Gerade einmal zwei Personen zählt Djúpavík als ganzjährige Bewohner, die die alte Fabrik als Museum wieder zugänglich machen möchten. Touristen bietet ein liebevoll eingerichtetes Hotel eine Unterkunft. Dieses war aber leider vollständig ausgebucht. Durch starke Regenschauer machen wir uns langsam über die wolkenverhangene Piste auf den Rückweg nach Drangsnes. Auf dem Weg kommen wir wieder an einem Straßenarbeiter vorbei, der die Piste mithilfe einer großen Planierraupe mit neuem Schotter restauriert. Das gegenseitige Passieren auf der engen Piste gestaltet sich dabei als spannendes Unterfangen. Drangsnes, welches ca. 70 Einwohner zählt, bietet nur einen sehr ungeschützten Campingplatz, der kaum Schutz vor den starken Windböen bietet. Wir entscheiden uns daher weiter nach nach Hólmavík (65°43′N 21°41′W) zu fahren. In Hólmavík angekommen entdecken wir einen Supermarkt, indem wir bereits vor zwei Jahren eingekauft haben. Gleich hinter dem Supermarkt liegt ein Campingplatz mittlerer Größe. Er ist an ein Schwimmbad angeschlossen, dieses hat allerdings bereits geschloßen. Im kalten Wind baut Jens das Zelt auf, es beginnt wieder zu regnen. Im Zelt kochen wir uns eine Portion Miraculie mit Soße Arrabiata. Nachdem wir gegessen haben, gehen wir das Geschirr abwaschen und anschließend schlafen. Wir können nur schlecht einschlafen, die starken regnerischen Windböen peitschen laut gegen die Zeltwände. 

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Der Fronti in den Westfjorden.

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Das Schiffswrack vor der ehemaligen Heringsfabrik in Djúpavík.

Tag 6: Akureyri – Hólar

Nach einer sehr kurzen und ungemütlichen Nacht frühstücken wir in der Kälte und gehen dann zum angrenzenden Schwimmbad. Nachdem wir uns umgezogen und geduscht haben treffen wir uns draußen am Schwimmbecken. Wir steigen in den Hotpot mittlerer Temperatur. Während wir uns vor einer wolkenverhangenen grauen Kulisse darin aufwärmen dampft wohlig es aus dem Becken. Nach kurzer Zeit gesellen sich ein paar junge Isländer zu uns, die dann aber zum ganz warmen Hotpot wechseln.

Die Damenumkleide des Schwimmbades verfügt über mehrere Spinde und Schließfächer, in denen man seine Wertsachen und Klamotten verstauen kann. In der Mitte des Raumes steht eine Umkleidebank, die wie gewöhnlich als Kleiderhalter und auch als Raumteiler dient. Nachdem ich mich schnell geduscht habe, öffne ich den Spint Nummer 21 und nehme meine Kleider wieder an mich, um mich anzuziehen. Während ich mich abtrockne kommen zwei ältere isländische Damen herein. Die eine Dame steht mir auf der anderen Seite der Umkleidebank gegenüber, während die andere Dame sich hinter mich drängt und ausgerechenet  ihre Sachen in Spint Nummer 21 verstaut. Ganz in das Gespräch vertieft, unterhalten sich die beiden über meinen Kopf hinweg, während ich also etwas bedrängt zwischen ihnen stehe und mit meinem Handtuch herumhantiere. Ich könnte schwören, dass der Raum etwas mehr Platz bietet als den viertel Quadratmeter vor Spint Nummer 21. Wieso sind Isländer da so verdammt schmerzlos... Nachdem ich noch schnell Haare geföhnt habe, gehe ich geduckt zurück zum Zelt. Der bitter kalte Wind weht stark. Jens hat das Zelt schon abgebaut, sodass wir gleich fahren können. Wir fahren zur gegenüberliegenden Tankstelle mit dem angeschlossenem Supermarkt. Immer noch auf der Suche nach dem Campinggas wenden wir uns an einen Verkäufer. Da dieser allerdings kein Englisch spricht, ist es schwer zu erklären, welches Gas wir benötigen. Innerhalb weniger Minuten kommt der Alltag in dem Supermarkt zum erliegen und wirklich jeder, der auch nur zufällig vorbeikommt, beteiligt sich an der Suche nach dem Gas. Zur Enttäuschung aller finden wir aber leider nicht das passende Campinggas.

In westlicher Richtung machen wir uns auf den Weg nach Akureyri (65° 41′ 0″ N, 18° 6′ 0″ W). Unterwegs halten wir im Regen um ein paar Fotos zu machen. An einer Tankstelle, an der wir bereits vor zwei Jahren gehalten haben, finden wir endlich das richtige Campinggas für den Heizer und trinken einen Kaffee. Die Angestellte, die gerade den Kaffeeautomaten putzen möchte, verwickelt uns in ein kurzes Gespräch. Danach setzen wir unsere Fahrt fort. Abends halten wir in Hólar (65°43′N 19°06′W), einer kleinen, süßen Gemeinde, die knapp 100 Einwohner zählt und im Hjaltadalur valley beheimatet ist. Hólar verfügt über einen wunderschönen Campingplatz mitten im Wald. In einem Restaurant neben der kleinen Universität gehen wir zu Abend essen. Jens bestellt einen Burger ich ein veganes Stew. Wir sind die einzigen Gäste. Die Bedienung, eine junge Frau unseren Alters, ist sehr nett und empfiehlt uns ein lokales Bier. Als sie es uns in der Flasche serviert, muss ich schmunzeln. Das Label des Bieres ist sehr interessant. Es zeigt eine abstrakt illustrierte Grafik eines Reiters auf einem Pferd im wilden Galopp. Während des Essens bestellen wir ein weiteres Bier. Dieses Mal zeigt das Label den Reiter samt Pferd von einer Klippe fallen. Das dritte Bier  ist ein schwarzes Strakbier und zeigt auf dem Label ein Pferd – komplett ohne Reiter...

Nach dem Essen schlendern wir noch gemütlich durch die schöne Natur und besichtigen kurz ein kleines Torfhaus. Dann machen wir uns dann auf den Weg ins Zelt. Doch auf der ersten Treppenstufe in das Dachzelt entfaltet das Bier auf ganz heimtückische Weise plötzlich seine Wirkung. Ich mich fühle wie der Reiter, dem neben seinem Pferd auch die Besinnung und die Orientierung abhanden gekommen sind. Während sich alles dreht muss ich mich krampfhaft festhalten, um nicht rückwärts von der ersten Stufe zufallen. Schwerfällig schiebe ich mich langsam die übrigen Treppenstufen hoch. 

Nachts muss ich ganz dringen auf die Toilette, als ich endlich aus meinem Schlafsack finde, ist es schon fast zu spät. Als ich wieder ins Zelt komme, ist Jens wach und es beginnt zu regnen. Genervt kriecht Jens aus seinem Schlafsack, um die am Zelt zum trocknen aufgehängte Kleidung, die er am Abend im Spülbecken ausgewaschen hat, abzunehmen. Als er sich aus dem Zelt nach draußen befördert hat, hat es bereits aufgehört zu regnen. 

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Eine Pferdekoppel bei Glaumbær.

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Blick in den Skagafjörður, im Norden Islands.

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Der schöne, in einem Wäldchen gelegene, Campingplatz von Hólar.

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Tag 7: Akureyri – Húsavík

Nach dem Frühstück bauen wir das Zelt ab und fahren zum Schwimmbad um zu duschen. Da das Schwimmbad noch geschlossen hat, dürfen wir die duschen für uns alleine nutzen. ☺️

Nach dem Duschen fahren wir Richtung Akureyri (65° 41′ 0″ N, 18° 6′ 0″ W). Total übermüdet bitte ich Jens meinen sich extrem ausdehnenden Sekundenschlaf mit einer Kaffeepause zu unterbrechen. Wir fahren ein kurzes Stück zurück, um in einen Schotterweg, der zu einem Wasserfall führt, abzubiegen. Unter dem Wasserfall parken wir und merken dass uns eine Touristengruppe gefolgt ist. Wir lassen diese vorgehen. Nachdem sie von dem Wasserfall zurückkehrt können wir für uns alleine schöne Bilder machen. Anschließend trinken wir bei einem Käseknäckebrot einen Kaffee. Als wir in Akureyri angekommen sind gehen wir in einem Bonus einkaufen. Die Schlange an der Kasse ist sehr lang. Als wir draußen den Einkauf im Fronti verstauen, beginnt es zu nieseln. Da es erst früher Nachmittag ist und der Campingplatz in Akureyri unserer Meinung nach nicht besonders schön ist, beschließen wir nach Húsavík (66°03′N 17°19′W), einer Hafenstadt, die bekannt ist für ihr Walmuseum und die Walewhatching-touren, durchzufahren. Zuvor halten wir allerdings noch an einer Tankstelle, da Jens den völlig mit Schlamm bedeckten Fronti waschen möchte. Da es während der Fahrt nach Húsavík wieder sehr kalt wird, beschließen wir im Reiseführer nach einem Guesthouse zu suchen. Ich lese von einem Reiterhof, der 20km vor  Húsavík gelegen, bezahlbare Doppelzimmer bietet. Der Hof wird bewirtschaftet von einer hannoveranischen Aussteigerin. Der Hof zählt 60 Pferde und 10 süße Fohlen. Als ich den Ausschnitt des Reiseführers über den Hof vorlese, bemerken wir ein Straßenschild, welches bereits auf den Hof verweist. Wir haben Glück, denn man bietet uns ein sehr kleines, gemütlich eingerichtetes Zimmer mit schönem Blick auf die Koppeln. Im eiskalten Wind machen wir noch einen kurzen Spaziergang an den Koppeln vorbei und den Hof hinunter zur Straße. Im Anschluss daran wärmen wir uns in der niedlichen kleinen Gemeinschaftsküche wieder auf während wir eine Reispfanne zu bereiten, die wir dann im Aufenthaltsraum zu Abend essen. Der einzige weitere Gast auf dem Hof ist ein Deutscher, dessen roter Opel Corsa direkt neben dem Fronti parkt. Das Zimmer ist warm und kuschelig, es ist liebevoll mit zwei kleinen Betten, einem Nachtisch und einem Kleiderschrank ausgestattet. Die roten Plastiktblumen, die eindeutig von Ikea stammen, harmonieren sehr mit den roten Vorhängen, die das Zimmer zwar in einen warmen Rotton tauchen, aber vor der Mitternachtssonne keineswegs abdunkeln. 

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Die Bergketten der Halbinsel Flateyjarskagi von Húsavík aus.

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Die drei Bergketten der Halbinsel Flateyjarskagi sind über 1000m hoch.

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